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Zeugnisse eines einstigen Paradieses

Silvia Perez-Perez, Campus-web.de, Mittwoch, 10. Dezember 2008

Der Nordwesten Pakistans ist heutzutage als einer der gefährlichsten Orte der Welt bekannt. Die Region wird in den westlichen Medien lediglich in Verbindung mit Konflikten und Terrorismus gebracht. Die Tatsache, dass diese Region einst fast mit einem Paradies gleichzusetzen war, erscheint zunächst unglaublich. Doch belegen gerade dies rund 2000 Jahre alte außergewöhnliche Exponate, die momentan in der Bonner Kunsthalle in der Ausstellung Gandhara – Das buddhistische Erbe Pakistans zu sehen sind. Außergewöhnlich sind diese, weil sie im starken Kontrast zur Gegenwart stehend, indem sie das friedliche Zusammenleben mehrerer Kulturen bezeugen.

Gandhara bezeichnet eine historische Region im heutigen Pakistan und Afghanistan. Das versunkene Königreich kontrollierte einst die Seidenstraße und reichte in seiner Blütezeit (1. – 5. Jh. n. Chr.) von Baktrien über den Hindukusch bis in das zentrale Nordindien. Der Handel zwischen dem römischen Reich sowie Ost- und Südasien begünstigte das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen. So verbreitete sich dort beispielsweise der aus Indien kommende Buddhismus, welchem die Kunst Gandharas vorwiegend gewidmet ist. Durch die Eroberungen Alexander des Großen (330 v. Chr.) kam die Region auch mit griechischem Kulturgut in Kontakt. Aus diesem historisch komplexen, sowohl multikulturellen als auch multireligiösen Umfeld kristallisierte sich schließlich eine ganz eigene Kunst heraus.

Die Ausstellung beginnt mit den Eroberungen Alexander des Großen und endet mit den Ausläufern der Gandhara-Kultur in Afghanistan und Zentralasien. Insgesamt umfasst sie rund 300 Objekte, wie unter anderem kostbare Münzen, prachtvollen Goldschmuck, diverse Steinskulpturen, exemplarische Reliquien und Kultfiguren des Buddha sowie fein ausgearbeitete und reich gestaltete Reliefs. Die Entwicklung des Buddhismus steht im Mittelpunkt, was auch die Ausstellungsarchitektur wiedergibt. Sie ist einem für Gandhara typischen buddhistischen Klosterhof nachempfunden. Den zentralen Mittelpunkt bildet ein Stupa, ein Denkmal welches ursprünglich der Aufbewahrung der sterblichen Überreste des Buddhas diente und die spirituelle Entwicklung eines Buddhas in 36 Reliefs darstellt. So kann nach einer Umgehung im Uhrzeigersinn das alte Umwandlungsritual, von seinen früheren Existenzen bis hin zur Verteilung der Reliquien, nachvollzogen werden.

Das erstaunliche an der Gandhara-Kultur ist die Anwendung und Abwandlung von importierten Motiven in einem neuen kulturellen und religiösen Umfeld. Eine Vielzahl der Motive stammt aus der griechischen Mythologie und greift für sie typische Elemente auf, wie zum Beispiel das Motiv Girlanden tragender Eroten, die Darstellung muskulöser Körper, die naturalistische menschliche Gestalt oder auch Gesichter, die Emotionen zeigen. So erstaunt es nicht, dass in der Ausstellung Darstellungen der Göttinnen Athene oder Aphrodite bewundert werden können. Außergewöhnlich sind auch die korinthischen Säulenkapitelle bzw. Szenentrenner die in den erzählerischen Reliefs, welche Schlüsselepisoden im Leben des Buddhas darstellen, zu finden sind.

Ab 305 v. Chr. herrschte in Gandhara wieder eine indische Dynastie: Die Maurya. Unter Ashoka, dem dritten und wichtigsten Herrscher dieser Dynastie wurde der Buddhismus besonders gefördert. Angeblich sollen die Stupas von Taxila, einem wichtigen Zentrum der Gandhara-Kunst, auf ihn zurückzuführen sein. Aber den wichtigsten Einfluss nahmen die Kushanas, ein Volk welches aus den zentralasiatischen Steppen stammt. Im 1. Jh. n. Chr. wanderten sie in Gandhara ein und lernten dort auch erstmalig den Buddhismus kennen. Im nördlichen Afghanistan gründeten sie ein Großreich und förderten anschließend die Glaubensrichtung in großem Ausmaß. Aber nicht nur die buddhistische Kunst erlebte eine Blütezeit, die Kushanas, welche sehr tolerant und kosmopolitisch waren, förderten auch andere Religionen. Sie selbst hingen iranischen Religionen an und verehrten neben anderen Gottheiten beispielsweise Oesho, eine Form des indischen Gottes Siva.

Obwohl der Bhuddismus schon seit den 3. Jh. v. Chr. bekannt war, wird er erst im 1. Jh. n. Chr. in Gandhara populär. Buddha selbst wird erstmals im Kushana-Reich dargestellt. Erst hier ist ein Wandel im Verständnis des Buddha zu erkennen, nämlich von einer historischen Person zu einem übernatürlichen Wesen. Zuvor war er nur in Form von Symbolen verehrt worden, wie dem Baum, unter dem er Erleuchtung erlangte (bodhi), ein leerer Sitz (asana) oder einem Rad, welches auch die Lehre an sich repräsentiert (dharma). Auch die Darstellung eines Fußabdruckes (pada) ist typisch. Ein besonders gut erhaltener, mit diversen Glückszeichen versehener überdimensionaler Fußabdruck ist auch in der Sammlung zu bewundern. Die Darstellung von Buddha als Person hingegen weist folgende spezielle Merkmale auf: Der Schädelauswuchs, der oft durch einen Haarknoten verdeckt wird, eine Haarlocke zwischen den Augenbrauen, bis zu den Knien reichende Arme und Häute zwischen den Zehen und Fingern. Dies sind typische Merkmale Maitreyas, dem gegenwärtigen Bhodisattva (der nach Erwachen strebende Mensch) und zukünftigen Buddha.

Nicht nur die Darstellung Buddhas als Person vollzog einen Wandel, sondern auch die Elemente die aus der westlichen Welt übernommen wurden, sind für buddhistische Darstellungen einzigartig. Buddha trägt beispielsweise Tunika und Toga und erinnert an eine römische Gewandfigur. Jedoch zeigt dieser, untypisch für die vorchristliche griechisch-römische Antike, keinerlei Emotionen und nimmt eine eher strenge und meditative Haltung ein. Die Ausstellung bewegt sich in bemerkenswerter Weise zwischen Vertrautem und Fremden und lässt einen stets über die gemeinsame Vorgeschichte staunen, die uns mit einem für uns jetzt so fremd erscheinenden Land verbindet. Gandhara war noch Jahrhunderte nach dem Ende der Kushana-Herrschaft eine Hochburg des Buddhismus, ungeachtet der Veränderungen auf politischer Ebene. Von dort aus strahlte die Kultur in Zentralasien, China und nach Indien aus.

Ihre Kunst und Kultur rückte kurzzeitig wieder ins Zentrum des Interesses der westlichen Welt, als im Jahre 2001 zwei monumentale Buddha-Figuren im Bamiyan-Tal von den Taliban gesprengt wurden. Die Köpfe wurden vermutlich schon zu Beginn der islamischen Herrschaft herausgeschlagen um deren „Beseelung“ zu nehmen. Im Jahre 1695 absolvierten Soldaten sogar ihre Schussübungen an den Statuen. Heutzutage zählt diese Stätte zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist zugleich ein Zeugnis der wechselhaften Geschichte Afghanistans. Hiermit endet auch die Ausstellung, mit einem Blick auf zwei überdimensional große Fotos der Statuen, die einem zugleich die Ausmaße der Bedeutung des Buddhismus in diesem untergegangenen Königreich deutlich machen.

Der Besuch der Ausstellung lohnt sich allemal. Denn wenn man sich nicht von dem durch Terror geprägtem Bild leiten lässt, werden einem Einblicke in eine unbekannte Region gewährt, die uns hinterher in vielen Aspekten überraschen wird. Vor allem durch die Rekonstruktionen und Computeranimationen nicht mehr existierender Stätten erhält man einen äußerst umfassenden Überblick.

Die Ausstellung kann noch bis zum 15.03.2009 in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle besucht werden. Der Eintrittspreis beträgt 8 €, ermäßigt 5 €. Der begleitende Katalog kann für 29 € käuflich erworben werden. Erstmals wird auch der Versuch unternommen auch Blinden die Werke zugänglich zu machen. Es werden Tastführungen angeboten, sowie auch Objektbeschriftungen und Rahmenprogrammhefte in Brailleschrift angeboten.

ursache: http://www.campus-web.de/1/1951/7491/
ursache: http://www.kah-bonn.de/




Namo Tassa Bhagavato Arahato Sammāsambuddhassa.
Buddha sāsana.m cira.m ti.t.thatu.